als SPD-Ortsverein Poll, Ensen, Westhoven wenden wir uns gegen das
Planvorhaben, an der Siegburger Str. eine Bebauung mit einem 60 m
hohen Bürogebäude mit 16 Geschossen zu ermöglichen. Von dem o. g. Bauvorhaben haben wir durch die Presseberichterstattung Anfang September erfahren und möchten mit diesem Schreiben die Möglichkeit wahrnehmen, unsere Einwendungen zur vorgelegten Planung zu verdeutlichen.

Zusätzlicher Büroraum an den schon großen vorhandenen und neu
entstehenden Büroflächen im Deutzer Hafen mit den entsprechenden
Arbeitsplätzen haben erhebliche Auswirkungen auf den Stadtteil Poll.

Als Poller Bürgerinnen und Bürger sind wir von dieser Entwicklung in
besonderem Ausmaß betroffen, da das geplante Projekt unmittelbar an
den Stadtteil Poll grenzt.

Im Falle einer Realisierung eines 16-stöckigen Hochhauses an der
Siegburger Str. ist etwa massive Verschattung der Wohnbebauung an
der Allerseelenstraße und des Rolshover Kirchweges sowie der
angrenzenden Siedlung rund um den Efeuplatz zu befürchten.

Die in der Begründung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan (Vorlage
0969/2020, Anlage 3, S. 5) enthaltene Aussage der Stadtverwaltung
„Das Erfordernis für die Erstellung einer Verschattungsstudie wird nach
Abstimmung mit den Fachämtern nicht gesehen, da im Umfeld keine
Wohnbebauung betroffen ist“ ist daher an Ortsunkenntnis und
Oberflächlichkeit nicht zu überbieten.

Darüber hinaus fordern wir eine fachkundige Untersuchung der Klimafolgen für die anliegenden Flächen – besonders vor dem Hintergrund steigender Temperaturen.

Um den zusätzlichen durch das Neubauprojekt zu erwartenden MIV-Zielverkehr zu vermeiden, ist weiterhin die Stärkung des Umweltverbunds
(ÖPNV, Radfahrerinnen und zu Fußgehende) zu empfehlen. In diesem Zusammenhang sind folgende Punkte für uns besonders wichtig:

  • Taktverdichtung auf der Stadtbahnlinie über die Siegburger Straße, auf werktäglich 5-Minuten. Die Stadtbahn ist jetzt schon überfüllt, so dass Fahrgäste an der Haltestelle Deutzer Freiheit stehen bleiben müssen. Ein solcher Zustand ist in Bezug auf einen attraktiven Nahverkehr unhaltbar.
  • eine zusätzliche Stadtbahnverbindung über die Deutzer Freiheit in Richtung Bahnhof Köln Messe/Deutz und nach Möglichkeit weiter nach Mülheim.
  • Prüfung einer Erschließung des Deutzer Hafens durch Nutzung der bestehenden Hafenbahntrasse unter Beibehaltung der bestehenden Strecke über die Siegburger Str., damit auch bei Störungen eine Verbindung nach Porz bestehen bleibt. Zusätzlich ist die Einrichtung eines Gleiswechsels an der Haltestelle Poller Kirchweg zu empfehlen.
  • Eine schnelle Umsetzung der S-Bahnlinie S16 auch im Vorlaufbetrieb. Diese Verbindung sollte zeitgleich mit der Bebauung geschaffen werden, um den neuen Bewohnerinnen des Quartiers eine attraktive S-Bahn-Verbindung ins linksrheinische Köln zu ermöglichen. Mittelfristig ist der Bau eines zweiten Brückenbogens für die Südbrücke notwendig.
  • Fortsetzung des Radschnellweges von der Südbrücke kommend, weiterführend bis zur Technischen Hochschule in Deutz.
  • Ausbau und besserer Schutz der Radwege auf der Siegburger Str. in Poll und Deutz. Die bestehenden Radwege sind bisher nur unzureichend gesichert und geschützt.
  • Im Zuge der neuen Planung sollten die Eigentümer angehalten werden, Werkswohnungen zur Verfügung zu stellen. Durch die Kombination von wohnortnahen Arbeitsplätzen, einem attraktiven ÖPNV-Angebot sowie einer guten Fuß- und Radinfrastruktur schon im Vorfeld (!) der Baumaßnahmen kann die Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs reduziert werden.
  • Die Verlängerung des Rolshover Kirchwegs bis zur Rolshover Straße sowie den Vollausbau der Anschlussstelle „Am Grauen Stein“ lehnen wir aus verkehrlichen wie städtebaulichen Gründen ab. Beide Maßnahmen werden zu einem erhöhten Verkehr auf dem Rolshover Kirchweg führen. Wir glauben, dass dadurch Poll nicht entlastet, sondern mit zusätzlichem Durchgangsverkehr belastet wird.
  • Die Siegburger Straße in Poll sollte ebenfalls durch bauliche Maßnahmen so umgestaltet werden, dass sie dem Anliegerverkehr eine höhere Priorität einräumt und den Durchgangsverkehr deutlich reduziert. Ein noch höheres Verkehrsaufkommen kann auf dieser Verbindung nicht mehr verkraftet werden. Der bisherige Vorschlag aus der Planungspräsentation ist für uns unzureichend, weil er im Grunde nur den Status Quo aufzeigt und keine Lösungsvorschläge für die Zukunft bietet.
  • Weiterhin regen wir an, die Verkehrsplanungen flexibel zu gestalten, da sich der Mobilitätssplit der Zukunft nur schwer vorhersehen lässt. Wir rufen daher dazu auf, eine Planung vorzulegen, die die Stadt entsprechend anpassen kann.

Wir hoffen auf eine Beteiligung im laufenden Verfahren und erwarten, dass unsere Anregungen und Einwendungen in die aktuellen Planungen berücksichtigt werden.

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