Zu viele Fragen ungeklärt

Gegen den vorgeschlagenen Abriss und die anschließende Verbreiterung
der Rodenkirchener Brücke wehrt sich auch der SPD-Ortsverein Poll, Ensen,
Westhoven.

Trotz aktueller Information durch die zuständige Autobahn GmbH zur Notwendigkeit eines 8-spurigen Ausbaus sieht Lukas Lorenz, örtliches SPD-
Ratsmitglied und Mitglied im Kölner Verkehrsausschuss noch viele Fragen offen. „Zunächst muss festgehalten werden, dass mehr Straßen auch mehr Verkehr anziehen und damit vor allem die umliegenden Stadtteile stärker belasten. Besser ist es, diesen Verkehr erst gar nicht nach Köln reinzuholen, sondern darüber nachzudenken, wie man in 10 bis 20 Jahren Güter- und Pendlerverkehre besser leiten und führen kann. Zudem muss das Mobilitätsverhalten der Pendler*innen Berücksichtigung finden. Die Auswirkungen von Corona und Homeoffice sind bei den Verkehrsprognosen der Autobahnbauer noch gar nicht berücksichtigt. Ebenso wenig neue Stadtverbindungen von Bonn nach Köln. Darüber hinaus empfehle ich, dringend darüber nachzudenken, wie perspektivisch mehr Schwerlastverkehr auf Schiene und Wasserstraße gelegt werden kann. Köln erstickt ja schon fast jetzt am LKW-Verkehr. Über die negativen ökologischen Folgen will ich an dieser Stelle gar nicht erst sprechen.“

Auch ein Ausbau des Nadelöhrs Heumarer Dreieck ist für Ratsmitglied Lukas Lorenz ungeklärt: „Im Bundesverkehrswegeplan 2030 wird etwa ein 8-spuriger Ausbau zwischen Kreuz Gremberg und Heumarer Dreieck als „unwirtschaftlich“ dargestellt. Somit macht auch eine verbreiterte Rodenkirchener Brücke keinen Sinn. Die Autobahn GmbH hat zudem deutlich gemacht, dass die Brückenprojekte gemeinsam betrachtet werden müssen und ein Aus- und Neubau der Rodenkirchener Brücke erst nach Inbetriebnahme der Rheinspange ab 2030 in Frage kommt. Bis dahin sollen auch der Neubau der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn fertiggestellt sowie die Erweiterung der Leverkusener Autobahnbrücke abgeschlossen sein. Also jetzt schon für einen Abriss zu plädieren und eine zweite verbreiterte Brücke zu planen, halte ich für völlig verfrüht. Charmant finde ich den Vorschlag der Rodenkirchener CDU, die Brücke in einen Park mit Radwegen umzuwandeln und stattdessen einen Tunnel zu planen. Hier muss allerdings realistisch angemerkt werden, dass Tunnel in dieser Größenordnung nicht unter 1 Milliarde Euro zu haben sind.“

Bettina Jureck, Bezirksvertreterin und SPD-Ortsvereinsvorsitzende ergänzt:
„Selbst ein Tunnelbau würde die Naturschutzgebiete wie die Westhovener Aue und das Gremberger Wäldchen stark beeinträchtigen und vielleicht gar unwiederbringlich zerstören. Ein hoher Preis. Auch der Denkmalschutz ist ein gewichtiges Argument gegen die Absicht, die erst 1994 teilerneuerte Brücke komplett abzureißen. Natürlich lassen sich Automengen linear hochrechnen und damit die Brücke an ihre Kapazitätsgrenze bringen. Dieser „Beweis“ erscheint mir aber zu simpel. Da möchte ich vor einer Entscheidung doch erst die weitere Verkehrsentwicklung und das Ergebnis des Baus der bereits geplanten Rheinquerungen abwarten. Weiterhin leuchtet mir nicht ein, warum der Verkehr erst in stark besiedelte Ortszentren geholt werden muss, um ihn dann über den Rhein zu führen. Die Belastung der Anwohner*innen in unseren Stadteilen Poll und Ensen/Westhoven steht dazu in keinem Verhältnis. Also kurzum: Zu viele offene Fragen, zu wenig Antworten der Straßenbauer. Wir bleiben skeptisch.“

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