Nach der mehrwöchigen Sperrung der Stadtbahnlinie 7 fordern Sozialdemokraten aus Porz Konsequenzen von KVB und Stadtverwaltung. Sie kritisieren vor allem die mangelnde Bündelung von Baumaßnahmen, die kurzfristige Absage bereits angekündigter Arbeiten sowie die Ausgestaltung des Schienenersatzverkehrs.
Aus Sicht der SPD hätte die lange Sperrpause deutlich konsequenter genutzt werden müssen, um ohnehin notwendige Arbeiten entlang der Strecke vorzuziehen. Besonders unverständlich sei die kurzfristige Absage der angekündigten Bahnsteigsanierung an der Haltestelle Gilgaustraße. Auch weitere bekannte Mängel entlang der Strecke seien während der Sperrung nicht behoben worden.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kölner Rat, Christian Joisten äußert deutlich sein Unverständnis über den Ablauf der Sperrung: „Kommunikation und Umsetzung der gesamten Maßnahme ist empörend schlecht! Weder war die örtliche Politik rechtzeitig eingebunden noch haben die Nutzerinnen und Nutzer mit angemessenem Vorlauf davon erfahren. Und die versprochenen Baumaßnahmen wurden in Teilen kurzfristig überhaupt nicht umgesetzt, so dass eine weitere Streckensperrung droht. So kann man mit dem ÖPNV als Rückgrat der Verkehrswende nicht umgehen. Die Menschen haben durchaus Verständnis, wenn Infrastruktur gewartet und erneuert werden muss. Dafür müssen solche Sperrungen aber frühzeitig geplant, konsequent für notwendige Arbeiten genutzt und mit einem leistungsfähigen Ersatzangebot verbunden werden. Und all dies muss frühzeitig mit der örtlichen Politik, aber vor allem gegenüber den betroffenen Menschen kommuniziert werden.“
„Eine weitere mehrwöchige Vollsperrung der Linie 7 in dieser Form darf es nicht geben. Wenn eine solche Sperrung technisch unvermeidbar ist, brauchen wir ein Konzept, das sich an den tatsächlichen Wegen der Fahrgäste orientiert. Wer von Zündorf oder Porz in Richtung Innenstadt fährt, braucht eine schnelle Verbindung. Gleichzeitig müssen Ensen, Westhoven und Poll zuverlässig angebunden bleiben. Diese unterschiedlichen Anforderungen müssen sich auch im Ersatzverkehr widerspiegeln“, sagt Lukas Lorenz, mobilitätspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln.
„Wenn wir den Menschen über Wochen eine vollständige Sperrung ihrer Stadtbahnlinie zumuten, muss diese Zeit auch bestmöglich genutzt werden. Es ist nicht vermittelbar, zunächst zusätzliche Baumaßnahmen anzukündigen und sie dann während der laufenden Sperrung wieder abzusagen. Die Menschen in Porz haben zu Recht die Erwartung, dass eine solche Sperrung frühzeitig und verlässlich geplant wird“, erklärt Bettina Jureck, Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Porz.
Als Beispiel nennt die SPD die Ortsdurchfahrt Poll auf der Siegburger Straße. Dort fehlt in weiten Teilen das Bitumenband zwischen Schiene und Straßenoberfläche. Für Radfahrerinnen und Radfahrer führe dies zu erheblichen Beeinträchtigungen und teilweise gefährlichen Situationen. Bei einer mehrwöchigen Vollsperrung müsse deshalb frühzeitig geprüft werden, welche bekannten Mängel und anstehenden Arbeiten gleichzeitig erledigt werden können.
Deutliche Kritik üben die drei Mandatsträger zudem am Schienenersatzverkehr. Der Ersatzverkehr habe die schnelle Stadtbahnverbindung zwischen Zündorf, Porz und der Kölner Innenstadt nicht angemessen ersetzen können. Lange Fahrzeiten, zahlreiche Zwischenhalte und die Störanfälligkeit im Straßenverkehr hätten für viele Fahrgäste erhebliche zusätzliche Belastungen bedeutet.
Für künftige Sperrungen fordert die SPD deshalb ein differenziertes Ersatzverkehrskonzept. Vorgesehen werden müsse zum einen ein Schnellbus von Zündorf über Porz Markt direkt nach Deutz mit möglichst wenigen Zwischenhalten. Ergänzend brauche es eine zweite Verbindung von Porz Markt über Ensen und Poll in die Innenstadt, die vor allem die lokale Erschließung übernimmt.
Die SPD fordert KVB und Stadtverwaltung zudem auf, die diesjährige Sperrung umfassend auszuwerten. Geklärt werden müsse insbesondere, warum angekündigte Maßnahmen wie die Sanierung der Haltestelle Gilgaustraße nicht umgesetzt wurden, welche weiteren Arbeiten während der Sperrpause möglich gewesen wären und wie zukünftige Ersatzverkehre leistungsfähiger und fahrgastfreundlicher organisiert werden können.